Interview zum Studienkredit mit dem Leiter der Förderungsabteilung des Studentenwerks Heidelberg
Den Studienkredit der KfW erhalten Studierende über die Vertriebspartner Studentenwerke und bestimmte Banken und Sparkassen. Dort gibt es auf Wunsch auch eine Beratung. 8 Fragen dazu an Klaus-Dieter Motzkau, Leiter der Förderungsabteilung des Studentenwerks Heidelberg.
Herr Motzkau, Sie und ihr Team beraten Studenten in Heidelberg in Sachen KfW-Studienkredit. Wie kommt der Kredit an?
Im ersten Monat kamen rund 150 Studenten zu uns. Rund 70 Prozent davon haben sich für den Kredit entschieden, 30 Prozent überlegen sich das Ganze noch einmal. Was auffällig ist: Ein Viertel der Studierenden will gar keine Beratung, sondern nur unsere Unterschrift als Vertriebspartner. Wir raten nach der bisherigen Erfahrung dringend, eine Beratung in Anspruch zu nehmen.
Warum – sind die Studenten schlecht informiert?
Der Zugang zum KfW-Studienkredit ist – vom Aufwand her gesehen – eine leichte Sache. Es klingt ja auch verlockend, monatlich bis zu 650 Euro zu bekommen, ohne die Eltern mit Formularen zu nerven oder ohne jobben zu gehen. Aber vielen ist nicht klar, welch langfristige Bindung sie mit dem Studienkredit eingehen – er kann einen bis zu 30 Jahre lang begleiten. Das sind Zeiträume und Summen, eine große Verpflichtung – fast als ob ein Jugendlicher beschließen würde, sich ohne Ausbildung mit 20 Jahren eine Eigentumswohnung auf Kredit zu kaufen. Natürlich ist der Studienkredit kein Konsumentenkredit, sondern dient einer Zukunftsinvestition. Aber die Größenordnung machen wir den Studierenden, wenn sie allzu sorglos sind, klar.
Ist eine Beratung notwendig, um den Kredit zu bekommen?
Nein, den KfW-Studienkredit erhält man grundsätzlich auch ohne intensive Beratung. Es ist aber immer unsere erste Frage: Wie gründlich haben Sie sich informiert? Oft müssen wir dann feststellen, dass die Studierenden über Einzelheiten des Studienkredits nicht Bescheid wissen. Dabei gilt es einige wichtige Punkte zu beachten.
Zum Beispiel?
Viele wissen nicht: Wer nicht fristgerecht zum Beginn des 6. bzw. 7. Semesters den Leistungsnachweis über das abgeschlossene Uni-Grundstudium einreicht, fällt aus dem Kreditprogramm und kommt nicht wieder hinein. Dann beginnt sofort die Karenzzeit von 18 Monaten, nach der die Tilgung losgeht – egal, ob das Studium abgeschlossen ist oder nicht. Das müssen die Studierenden von Anfang an wissen, denn es bedeutet: In den ersten beiden Semestern können sie ohne Probleme die Fachrichtung wechseln, wenn sie merken, dass ihre erste Studienwahl nicht so gut war. Bis zum 7. Semester schaffen sie das Grundstudium im neuen Studiengang dann noch ohne weiteres. Wer aber erst im 3. oder 4. Semester wechselt, für den wird es eng. Dann ist der Kredit gefährdet.
Gibt es weitere Knackpunkte?
Manche Studenten erwarten, dass Sie automatisch eine Zusage der KfW erhalten – als ob es einen Rechtsanspruch auf den Studienkredit geben würde. Natürlich hat aber die KfW das letzte Wort, wem sie einen Kredit gewährt.
Stoßen solche Detailregelungen auf Verständnis?
Die KfW hat solche Regeln bewusst eingebaut. Es ist sicherlich sinnvoll, sich möglichst schnell darüber klar zu werden, ob ein Studiengang zu einem passt oder nicht. Diese Entscheidung nach den ersten beiden Semestern zu treffen – das will die KfW anregen und das sollte auch möglich sein. Weil das Ausfallrisiko über die Höhe des Zinssatzes von allen Studienkreditnehmern getragen wird – übrigens anders als beim BAföG, wo der Bund für nicht zurückgezahlte Kredite einsteht –, haben auch Studierende ein Interesse an solchen Risikobeschränkungen. Das hat schon etwas für sich.
Glauben Sie, dass Studierende aufgrund der Kreditfinanzierung schneller und zielgerichteter studieren?
Der Studienkredit ist ein Novum für die deutsche Studienlandschaft, wir müssen erst Erfahrungswerte sammeln. Für viele Studenten in den ersten Semestern, in denen es noch relativ wenig Prüfungsstress gibt, wäre es sicherlich eine überlegenswerte Alternative, erstmal nebenbei zu jobben statt auf Kredit zu leben. Im Beratungsgespräch sagen aber überraschend viele Erstsemester: Nein, wir wollen möglichst schnell studieren.
Die Studenten scheinen den KfW-Studienkredit gut anzunehmen. Woran liegt das?
Das liegt zum einen am minimalen Verwaltungsaufwand. Jeder, der schon mal einen BAföG-Antrag ausgefüllt hat, bemerkt auf Anhieb den Unterschied. Zum anderen bleiben beim KfW-Studienkredit die Eltern außen vor. Die finanzielle Unabhängigkeit vom Elternhaus wissen viele Studenten zu schätzen – auch solche, die ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern haben. Das ist ein wichtiges Motiv.
Quelle: kfw